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Champions League

Champions League Reform: Was die neue Liga-Phase 2024 wirklich kostet

Mit dem Anpfiff der ersten Liga-Phase am 17. September 2024 hat die UEFA ihre Champions League so tiefgreifend umgebaut wie zuletzt 1992. Hinter dem sportlichen Etikett "Swiss System" steht eine ökonomische Operation, die Prämien verdoppelt, Spielpläne überlastet und Fanproteste billigend einkalkuliert.

Vom K.o.-System zur 36er-Liga: Was sich strukturell ändert

Statt acht Gruppen à vier Teams treten nun 36 Klubs in einer einzigen Tabelle gegeneinander an. Jeder Verein absolviert acht Vorrundenspiele gegen acht unterschiedliche Gegner, ausgelost in vier Leistungstöpfen. Die ersten Acht ziehen direkt ins Achtelfinale ein, die Plätze 9 bis 24 spielen in Play-offs um die restlichen Achtelfinaltickets. Was sportlich nach mehr Spannung klingt, ist ökonomisch vor allem eines: eine Mengenausweitung. Aus 125 Partien pro Saison werden 189 – ein Plus von rund 51 Prozent, wie die UEFA in ihrem Begleitbericht zur Reform selbst beziffert.

Damit wächst das Inventar an verkaufbaren Spielminuten signifikant. Genau darum geht es. Die Reform ist – das räumte selbst UEFA-Präsident Aleksander Čeferin in Andeutungen ein – auch eine Antwort auf die im April 2021 gescheiterte Super League. Wer die abtrünnigen Großklubs binden will, muss ihnen mehr Topspiele, mehr Reichweite und mehr Geld bieten. Der ökonomische Subtext lautet: Bindung durch Beteiligung.

Der neue Prämientopf: 4,4 Milliarden Euro und die deutsche Beute

Laut UEFA-Finanzpublikation für den Zyklus 2024–2027 schüttet der Verband pro Saison rund 2,47 Milliarden Euro allein an die Champions-League-Teilnehmer aus, in Summe mit Europa League und Conference League ergibt sich ein Klubwettbewerbs-Topf von etwa 4,4 Milliarden Euro – verglichen mit etwa 2,0 Milliarden in der letzten Saison des alten Formats ein Aufschlag von rund 25 Prozent allein für die Königsklasse. Die Verteilung gliedert sich grob in vier Säulen:

Für die deutschen Vertreter ist das Rechenexempel überschaubar: Der FC Bayern dürfte selbst bei mittelmäßigem Abschneiden in der Liga-Phase die 80-Millionen-Euro-Marke knacken, Borussia Dortmund operiert nach dem Vorjahres-Finaleinzug auf einem ähnlichen Niveau. Bayer 04 Leverkusen profitiert als amtierender deutscher Meister sowohl vom Startgeld als auch vom hohen Marktpool-Anteil; der VfB Stuttgart, erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder dabei, kann nach Berechnungen auf Basis der UEFA-Verteilungslogik mit Bruttoeinnahmen zwischen 40 und 60 Millionen Euro rechnen – abhängig vom sportlichen Ertrag. Das ist, gemessen an einem Stuttgarter Jahresetat im niedrigen dreistelligen Millionenbereich (DFL-Wirtschaftsreport 2024), kein Bonus, sondern ein Strukturhebel.

Die Senderseite: 3,5 Milliarden Euro pro Jahr und ein gesättigter Markt

Finanziert wird die neue Üppigkeit primär aus Medienerlösen. Für den Zyklus 2024–2027 verkauft die UEFA ihre Klubwettbewerbe für rund 3,5 Milliarden Euro pro Saison – ein Anstieg von etwa 17 Prozent gegenüber dem Vorzyklus, wobei der Zuwachs deutlich unter der ursprünglichen UEFA-Erwartung liegt. In Deutschland teilen sich DAZN und Amazon Prime die Rechte; die kolportierte Summe von rund 240 Millionen Euro pro Jahr bewegt sich auf Vorzyklus-Niveau. Der heimische Markt zeigt erste Sättigungserscheinungen, was schon deshalb ökonomisch relevant ist, weil parallel die Bundesliga-Auslandsrechte (DFL-Bericht 2024) hinter den Erwartungen blieben.

Hier zeigt sich eine ökonomische Pointe: Die UEFA produziert mehr Spiele, erzielt aber pro Spiel sinkende Grenzerlöse. Das durchschnittliche Liga-Phase-Match generiert weniger Aufmerksamkeit als das frühere Topspiel der Gruppenphase – einfach, weil Aufmerksamkeit eine endliche Ressource ist. Im Z3 Forum wird unter Anhängern bereits diskutiert, ob ein Dienstagabend mit fünf Parallelpartien überhaupt noch konsumierbar sei. Eine berechtigte Frage, die der Verband mit dem "exklusiven Donnerstag" – Conference League – nur teilweise löst.

Spielplan-Stau: Die DFL als Leidtragende

Die Reform produziert zwei zusätzliche Spieltage pro Klub in der Liga-Phase, hinzu kommen mögliche Play-offs im Februar. Für deutsche Champions-League-Teilnehmer bedeutet das je nach Konstellation bis zu vier englische Wochen mehr pro Saison. Die DFL musste ihren Rahmenterminkalender für 2024/25 mehrfach anpassen, Anstoßzeiten am Freitagabend und Sonntagabend werden häufiger – eine Entwicklung, die der Fan-Dachverband "Unsere Kurve" bereits vor Saisonstart als "Kommerzialisierung mit Ansage" geißelte.

Ökonomisch entstehen messbare Zusatzkosten:

Wer von der erhöhten Prämienausschüttung 80 Millionen brutto kassiert, gibt netto durchaus 15 bis 20 Millionen für die Infrastruktur dieses Marathons aus. Die Marge wächst – aber langsamer, als die Bruttozahlen suggerieren.

Ticketpreise, Fanfrust und ein strategisches Kalkül

Die Klubs nutzen das zusätzliche Heimspiel-Kontingent erwartungsgemäß zur Erlösoptimierung. Borussia Dortmund hob die Champions-League-Ticketpreise zur Saison 2024/25 punktuell um bis zu 10 Prozent an, der FC Bayern justierte die Kategorien für Topspiele nach oben. Stehplätze blieben weitgehend stabil – eine Konzession an die organisierte Fanszene, die in offenen Briefen vor einer "amerikanischen Preisgestaltung" gewarnt hatte. Die Sponsoring-Lage von Bayer 04 nach dem Meisterjahr wird im Z3 Forum ausführlich kommentiert; tatsächlich gehört die Werkself zu den Klubs, die ihre kommerziellen Erlöse 2024 prozentual am stärksten steigern konnten.

Die UEFA wiederum verkauft die Reform als basisdemokratisch: mehr Klubs, mehr Vielfalt, mehr Chancen für mittelgroße Ligen. Faktisch profitieren jedoch die ohnehin starken Verbände überproportional, weil das Koeffizientensystem im Value Pillar historische Erfolge belohnt. Der Anti-Super-League-Reflex der UEFA hat ein Format hervorgebracht, das der Super League ökonomisch näher steht als die alte Gruppenphase – nur eben unter dem Dach des Verbands.

Ausblick: Ein Format auf Bewährung

Die Liga-Phase ist ein Großversuch unter Realbedingungen. Sie verspricht den Klubs mehr Geld, der UEFA mehr Kontrolle und den Sendern mehr Inventar – bezahlt wird mit Spielerbelastung, Fankritik und schrumpfenden Grenzerlösen pro Partie. Ob das Modell den nächsten Rechtezyklus 2027 trägt, wird sich daran entscheiden, ob die Topspiele weiterhin Topquoten liefern oder im Gleichmaß der 189 Partien zerrieben werden. Für die Bundesliga-Klubs gilt vorerst: Wer dabei ist, verdient gut. Wer dauerhaft dabei bleibt, verdient strukturell. Und wer es nicht schafft, fällt schneller zurück als je zuvor – eine ökonomische Pointe, die die UEFA in keinem ihrer Hochglanzberichte erwähnt.